Die Discovery-Plattform

Post by Neil Block in Deutsch

Es macht immer wieder Spaß, auf die Anfänge der Technologie zurückzublicken und sie mit den uns heute bekannten Mitteln zu vergleichen. Das Bibliothekssystem (ILS) hat seine Wurzeln in den 1980er Jahren, als die Bibliothekskollektionen noch physisch greifbar waren. Erste Arbeitsabläufe in den Bibliothekssystemen ahmten manuelle Abläufe nach, die Bibliothekare bei der Verwaltung ihrer Bestände durchführten. Der Printkatalog und die Suche nach Büchern (in geringerem Maße auch gedruckte Zeitschriften), standen im Mittelpunkt des Arbeitsalltages eines Bibliothekars. Nachdem Zettelkataloge zunehmend maschinenlesbar wurden, entstand der OPAC als transformativer Zugangspunkt der gedruckten Kollektion der Bibliothek.

Heutzutage hat sich all dies für akademische Bibliotheken verändert. Volltext-Datenbanken, A & I-Dienste, E-Journals und E-Books sind die meistgenutzten Medien in jeder wissenschaftlichen Bibliothek. Die Tage der Printmedien sind sicher nicht gezählt (und werden es vielleicht nie sein), aber jegliche "E"-Medien sind mittlerweile gut etabliert und wachsen stetig in allen Fachbereichen.  Doch der Übergang von Druck zu Digital war nicht ohne Hürden, sowohl in technologischer Hinsicht als auch aus Nutzerperspektive. In dem Versuch, alle Zugriffsanforderungen zu erfüllen, waren komplementäre Lösungen – wenn auch oft zusammenhangslos und daher wenig funktional –gefragt, um den Nutzeranforderungen und zunehmend digitalisierte Arbeitsprozessen gerecht zu werden. Denken Sie zum Beispiel an “Föderierte Suche“ oder "Stand-alone"- ERM-Systeme.

Selbstverständlich liegen auch diese Zeiten hinter uns. Was dabei herauskam, ist ein neues Modell, mit dem die Auffindbarkeit elektronischer Inhalte (und deren Verwaltung) in den Mittelpunkt gerückt wurde. Anfang 2010 erschien, neben anderen Discovery Services, der EBSCO Discovery Service (EDS). EDS kennzeichnete nicht nur eine einzige Suchbox, sondern auch eine Reihe von Anwendungen, um Inhalte zu verwalten und deren Nutzung zu verstehen. Hier kann die Bedeutung nicht genug hervorgehoben werden; mit zunehmender Umstellung auf elektronische Inhalte und die Nutzerfahrung könnte der Auffindbarkeitsfaktor tatsächlich das wichtiges Standbein des Erfolgs jener Bibliothek sein. Das führt automatisch zur Frage: Worin fügt sich das  Bibliothekssystem in der neuen Welt der „E“- Medien? 

Beginnen wir damit, die Suche im weitesten Sinne zu verstehen und zwischen einem Discovery Service und einer Discovery Service-Plattform (DSP) zu unterscheiden. Die Plattform geht über den Discovery Service hinaus und unterstützt die grundlegende Umstellung in Richtung E-Ressourcen- Verwaltung und den Nutzer-Erwartungen für Discovery der gesamten Bibliothekskollektion. Die DSP deckt alle Inhaltstypen (E-Books, Datenbanken, IRs, den Katalog) aus einer Vielzahl von Quellen ab. Sie arbeitet mit einer anspruchsvollen Struktur für die Normalisierung von Metadaten, Relevanz-Ranking, Konfiguration und die individuellen Anpassungen. Die DSP bietet eine Reihe von Anwendungen, um Bestellungen, Bestand, Analysen und andere Dinge zu verwalten. Außerdem ist es eine offene Plattform – die DSP ermöglicht die Integration der von der Bibliothek ausgewählten Knowlegdebase, verschiedene Inhaltsquellen und verschiedene Anwendungen. Die DSP unterstützt die Interoperabilität mit mehreren Präsentationsebenen – beide Open Source- und anbieterunterstützt - wie VuFind oder BlackLight. Die DSP integriert sich auch in Unternehmensanwendungen wie dem Learning Management System (LMS) und natürlich dem Bibliothekssystem.

Die Rolle des Bibliothekssystems konzentriert sich dann auf die Nutzer (Umlauf), den Print-Katalog (Katalogisierung und Metadaten-Verwaltung) und, in bestimmten Fällen, auf die Print Beschaffung. Anders gesagt, das Bibliothekssystem unterstützt traditionelle Funktionen. Dabei muss es neben der DSP zur Unterstützung der Kernfunktionen des Bibliothekssystems existieren und nahtlos zwischen der Technologie (hier: APIs) und den Datenaustauschprotokollen interagieren.

Betrachtet man das Gesamtbild so haben Bibliotheken weitgehend die Umstellung auf elektronische Inhalte geschafft, beginnend mit E-Journals, Volltextdatenbanken und zunehmend auch E-Books. Arbeitsabläufe und die Erwartungen der Nutzer ziehen nach. Auf diesem sich ständig weiterentwickelndem Gebiet dient die DSP als umfassende, offene Umgebung bei der Unterstützung neuer Inhalte und Endnutzer-Modelle des digitalen Zeitalters.


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